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Self-Tracking – gesund oder gefährlich?


Fitnesstracker, Smartwatches und Co. sind in einer Gesellschaft, die immer gesundheitsbewusster wird, überall verbreitet. Sie messen nicht nur die Schritte, sondern auch Schlaf, Kalorienverbrauch und vieles mehr. Doch sind sie tatsächlich so nützlich und gesund oder können sie sogar gefährlich werden?

 


aha-Jugendreporterin Hannah

Der digitale Trend

Self-Tracking wird immer mehr zum Trend. Statt Stift und Papier erfassen digitale Geräte unsere Gesundheitsdaten. Digitale Waagen, die den Körperfettanteil messen, verschiedene Apps, die persönliche Körperdaten wie Schlafrhythmus oder Kalorienzufuhr mitverfolgen oder integrierte Schrittzähler und Pulsuhren. Den ganzen Tag über kann man seine eigenen Daten erfassen. Der häufigste Grund, warum Menschen ihre Gesundheitsdaten erfassen, ist der Wunsch nach Selbstoptimierung, beispielsweise schlanker und fitter zu werden oder durch eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung an Gewicht zu verlieren. Die verschiedenen Anwendungen und Fitnessgeräte helfen beispielsweise dabei, sich selbst zur täglichen Sporteinheit, zum Wasser trinken oder gesünderem Essen zu motivieren. Leicht erreichbare Zwischenziele sowie die Darstellung von bisherigen Erfolgen spornen die Trainierenden zusätzlich an.

Selbstversuch

Meine Freunde und ich haben zusammen einen Monat lang bei einem Wettbewerb mitgemacht, bei welchem gemessen wurde, wer pro Tag die meisten Schritte macht. Der Konkurrenzkampf spornte mich sehr an und ich ging oft nach der Schule noch eine Extrarunde joggen oder lief zu Fuss zum Dorfladen und verzichtete auf den öffentlichen Verkehr. Es hat mir richtig Spass gemacht, da ich besser als meine Freunde sein wollte. Ich persönlich denke, das Self-Tracking oft einen guten Einfluss auf einen Menschen hat, da die aufgezeichneten Daten auch dabei helfen können, ein schädliches Verhaltensmuster zu verändern.

Quantified Self

Der Begriff Quantified Self (QS) bedeutet übersetzt Selbsterkenntnis durch Zahlen. Diese Art der Selbstvermessung ist keineswegs neu, sondern ist eine digitale Fortsetzung verschiedener Trends zur Effizienzsteigerung, Selbstoptimierung und Selbstmanagement.

In der Gesundheitsförderung und im Präventionsbereich werden grosse Stücke auf Quantified Self gelegt. Jedoch gibt es noch keine aussagekräftigen Langzeitstudien und Berichte, dass die Anwendung von Quantified Self tatsächlich wirksam ist. 

Positive Aspekte

Mithilfe der Self-Tracking Apps gelingt es sicher leichter, ein ungesundes Verhalten zu erkennen und zu verändern, da die eigene Gesundheit in Zahlen, Grafiken und Bildern veranschaulicht wird. Unterstützt werden wir durch auffordernde und lobende Kurznachrichten über die Apps. Wer viel über sich selbst weiss, ob mittels Quantified Self Apps oder auch ohne, erkennt unter Umständen mögliche Krankheiten früher und neigt eher dazu, einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Weiters kann das Selbstmanagement aufgrund Echtzeit-Monitoring Patienten eine engere Begleitung durch Fachexperten erlauben. Chronische Krankheiten können besser gemanagt werden. Zum Beispiel können der Blutdruck oder der Puls aufgezeichnet, statistisch ausgewertet und bei Bedarf weitergeleitet werden.

  • Die eigenen Schlafphasen zu tracken und zu analysieren, kann ein erster Schritt sein, um bestehende Einschlafschwierigkeiten oder einen unruhigen Schlaf festzustellen.
  • Das Gleiche gilt auch für das Messen verschiedener Gesundheitswerte, die ein gesundes Herz-Kreislauf-System, einen gesunden Blutdruck oder Ähnliches fördern können.
  • Auch lästige Angewohnheiten, wie das Rauchen, können dadurch unterbunden werden. Man kann seine eigenen Daten auffassen und die App begleitet und unterstützt einem.
  • Immer mehr Frauen nutzen Apps für die Aufzeichnung ihrer Menstruations-Zyklen. Unregelmässigkeiten sind auch hier schneller sichtbar. Anhand der erfassten Daten rechnen diese Apps zudem den ungefähren Eisprung aus und zeigen die theoretisch fruchtbaren Tage an. Weiter gestaltet sich der Besuch bei der Frauenärztin/dem Frauenarzt einfacher, da die Angaben zur letzten Monatsblutung direkt auf dem Smartphone abgelesen werden können. Wo frau die Zyklen früher von Hand in eine kleine Agenda schrieb, ersetzten dies nun Zyklus-Apps. Das ist ein weiterer Grund, weshalb solche Apps auch als Verhütungsmethode oder umgekehrt als Hilfe bei Kinderwunsch beworben werden.

ACHTUNG: verwende solche Apps nicht als alleinige Verhütungsmethode – lies dazu unbedingt auch den Artikel zu Sex und Co.

Mögliche Risiken und Schwachstellen

Jedoch darf man nicht vergessen, dass die eigenen Daten in den Apps «veröffentlicht» werden. Denn umso beliebter Self-Trackings sind, desto interessanter wird das auch für Cyber-Kriminelle. Sie können Daten verändern oder gar stehlen und sie gegen den eigenen Willen verwenden. Mittlerweile haben aber auch Privatversicherer, Pharmaunternehmen oder Versicherungen das Geschäft mit den Gesundheitsdaten entdeckt. Ein Handel der gesammelten Personendaten ist nicht ausgeschlossen, denn oftmals werden die Nutzerinnen und Nutzer zu wenig über die Weitergabe an Dritte informiert und die AGBs oft ohne durchzulesen akzeptiert.

Durch das blinde Vertrauen in Tracking-Geräte und -Apps geht auch das Bewusstsein für den eigenen Körper verloren. Menschen machen ihr Leben abhängig von digitalen Geräten und vertrauen ihrem eigenen Körpergefühl dadurch weniger oder verlernen sogar ganz auf die Signale ihres Körpers zu hören. Hinzu kommt, dass dieses blinde Vertrauen nicht immer gerechtfertigt ist. Denn nicht jede Self-Tracking App arbeitet korrekt. Gemessene Daten und errechnete Analysen sollten stets mit Vorsicht genossen werden. Darum solltest du folgende Tipps immer beachten:

  • Behalte die Kontrolle. Da es immer passieren kann, dass die Daten in die falschen Hände geraten, überlege dir genau, welche Daten du von dir preisgeben möchtest.
  • Behalten deine Daten bei dir. Wenn möglich, verzichte auf Apps und Geräte, bei denen die Daten nur in der Cloud gespeichert werden können. Es ist sicherer, die Daten lokal auf den Geräten zu haben oder sie in einem Notizbuch von Hand zu notieren.
  • Wähle unterschiedliche Anbieter. Werden Daten immer von den gleichen Anbietern gespeichert, können diese sehr einfach ein aussagekräftiges und vollständiges Profil von dir erstellen.
  • Manchmal musst du dich nicht zwingend registrieren. Dadurch kommst du allenfalls nicht in den Genuss der uneingeschränkten Nutzung der App. Frage dich daher vor einer Registrierung, was du wirklich mit den gemessenen Daten anfangen möchtest. Bist du nicht registriert, gibst du automatisch weniger persönliche Daten über dich preis.

Fehlender Datenschutz

Ein wesentliches Manko der Quantified Self Produkte ist, dass kein ausreichender Datenschutz gewährleistet ist. Die App-Entwickler sind oft nicht mit den notwendigen Anforderungen vertraut. Die Hersteller von Quantified Self Apps sind grösstenteils aus den USA oder Asien, dadurch geht das Rechtsverhältnis mit den Nutzerinnen und Nutzer über die eigenen Landesgrenzen über. Weil die User ihre Gesundheitsdaten freiwillig zur Analyse ins Ausland senden, können ihre persönlichen Angaben dann in einem Land bearbeitet werden. Hinzu kommt, dass die Hersteller Kundendaten für eigene Zwecke nutzen oder gar an Dritte verkaufen, z.B. für personalisierte Werbung.

Hannahs persönliches Fazit

Wie schon erwähnt, finde ich Self-Tracking eine großartige Sache, solange es im gesunden Ausmass verwendet wird und man auch die negativen Aspekte im Auge behält. Man kann durch Apps, Smartwatches oder Fitnesstracker ganz einfach seine Ziele erreichen und es macht auch viel mehr Spass.

 

Quellen:

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