Arbeiten & deine Rechte in Liechtenstein
Ob Ferienjob, Nebenjob, Praktikum oder erste Festanstellung – sobald du arbeitest, gelten Regeln. Und genau diese Regeln sind wichtig: Sie schützen dich, sorgen für faire Bedingungen und geben dir Orientierung im Arbeitsalltag. In Liechtenstein sind diese Grundlagen im Arbeitsrecht festgelegt. Es regelt zum Beispiel, wie viel du arbeiten darfst, wann du Anspruch auf Pausen hast, wie dein Lohn geregelt ist oder was passiert, wenn ein Arbeitsverhältnis endet. Gleichzeitig hast du auch Pflichten – etwa zuverlässig zu arbeiten, Vereinbarungen einzuhalten und deine Aufgaben sorgfältig zu erfüllen.
Gerade am Anfang kann das alles etwas unübersichtlich wirken. Umso wichtiger ist es, die wichtigsten Punkte zu kennen. So kannst du besser einschätzen, ob alles korrekt läuft – und weisst, wann du nachfragen oder Unterstützung holen solltest.
Deine Rechte im Job
Wenn du arbeitest, hast du Anspruch auf faire und klare Bedingungen. Diese gelten unabhängig davon, ob du nur ein paar Stunden pro Woche arbeitest oder bereits fix angestellt bist. Dazu gehört in erster Linie dein Lohn. Du hast das Recht, für deine geleistete Arbeit bezahlt zu werden – und zwar so, wie es vereinbart wurde. Auch deine Arbeitszeiten sind geregelt: Du darfst nicht unbegrenzt arbeiten und hast Anspruch auf Pausen sowie ausreichend Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind deine Ferien. Diese stehen dir zu und dienen deiner Erholung. Gleichzeitig muss dein Arbeitsplatz so gestaltet sein, dass deine Gesundheit und Sicherheit geschützt werden. Auch Gleichbehandlung spielt eine zentrale Rolle. Du darfst im Job nicht benachteiligt werden, zum Beispiel wegen deines Geschlechts, deiner Herkunft oder anderer persönlicher Merkmale. Diese grundlegenden Rechte bilden die Basis jedes Arbeitsverhältnisses – und sie gelten auch dann, wenn du sie nicht explizit im Vertrag liest.
Arbeitsvertrag verstehen
Der Arbeitsvertrag ist die Grundlage für alles, was zwischen dir und deinem Arbeitgeber vereinbart wird. Er hält fest, welche Aufgaben du übernimmst, wie viel du verdienst und unter welchen Bedingungen du arbeitest. Auch wenn ein Arbeitsvertrag theoretisch mündlich gültig ist, solltest du immer auf eine schriftliche Version achten. Das gibt dir Sicherheit und Klarheit – vor allem, wenn später Fragen oder Unklarheiten auftreten.
Typische Inhalte eines Arbeitsvertrags sind:
Im Vertrag wird festgehalten, welche Tätigkeiten du übernimmst und in welchem Bereich du arbeitest. So ist klar, was von dir erwartet wird – und was nicht zu deinen Aufgaben gehört.
Hier steht, wie viel du verdienst und wann dein Lohn ausbezahlt wird. Falls ein 13. Monatslohn vorgesehen ist, ist auch das geregelt. Achte darauf, ob dein Lohn brutto oder netto angegeben ist.
Der 13. Monatslohn ist ein zusätzlicher Lohn, den du einmal im Jahr bekommst – meist gegen Ende des Jahres. Er ist kein Bonus, sondern Teil deines vereinbarten Jahreslohns. Das bedeutet: Dein Jahreslohn wird auf 13 Monate verteilt. Wenn du nicht das ganze Jahr gearbeitet hast, bekommst du den Betrag anteilig.
Der Vertrag zeigt, wie viele Stunden du arbeitest und wann deine Einsätze stattfinden. Auch Teilzeit oder flexible Arbeitszeiten können hier geregelt sein.
Hier wird festgelegt, wie viele Ferientage du pro Jahr hast. Diese stehen dir zur Erholung zu und dürfen nicht einfach gestrichen werden.
Die Kündigungsfrist bestimmt, wie lange du oder dein Arbeitgeber im Voraus Bescheid geben müsst, bevor das Arbeitsverhältnis endet. Diese Fristen können je nach Vertrag unterschiedlich sein.
Die Probezeit ist die Anfangsphase deines Jobs. In dieser Zeit können beide Seiten einfacher kündigen. Sie dient dazu herauszufinden, ob die Zusammenarbeit für beide passt.
Typischerweise enthält ein Arbeitsvertrag Informationen zu deinem Aufgabenbereich, deinem Lohn, deinen Arbeitszeiten, deinen Ferien sowie zu Kündigungsfristen. Oft ist auch eine Probezeit vereinbart. Nimm dir unbedingt Zeit, deinen Vertrag genau durchzulesen. Wenn du etwas nicht verstehst oder dir unsicher bist, ist es völlig in Ordnung, nachzufragen. Gerade am Anfang erwartet niemand, dass du alles schon kennst.
Was gehört alles zu deinem Lohn?
Dein Lohn besteht nicht nur aus dem Betrag, der auf deinem Konto landet. Im Arbeitsvertrag ist meist der Bruttolohn angegeben – also der Betrag vor Abzügen. Dazu können je nach Job auch ein 13. Monatslohn oder zusätzliche Leistungen kommen. Was du am Ende erhältst, ist der Nettolohn. Die Differenz entsteht durch verschiedene Beiträge, die automatisch abgezogen werden und dich absichern
Warum wird mir etwas vom Lohn abgezogen?
Ein Teil deines Lohns geht in Sozialversicherungen. Dazu gehören zum Beispiel die Altersvorsorge, die Invalidenversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Diese Abzüge sind verpflichtend und sorgen dafür, dass du finanziell abgesichert bist – etwa im Alter, bei Krankheit oder wenn du deinen Job verlierst.
Steuern
In Liechtenstein wird ein Teil der Steuern direkt vom Lohn abgezogen (Quellensteuer, meist mindestens rund 4 %). Am Jahresende wird deine definitive Steuer über die Steuererklärung berechnet – je nach Einkommen kann es zu Nachzahlungen oder Rückerstattungen kommen.
Krankenversicherung
In Liechtenstein musst du dich selbst krankenversichern. Die Beiträge zahlst du selbst, erhältst aber einen festen Zuschuss vom Arbeitgeber, der zusätzlich zu deinem Lohn ausbezahlt wird und dich bei den Kosten unterstützt.
Unfallversicherung
Die Unfallversicherung läuft über deinen Arbeitgeber. Arbeitsunfälle sind automatisch gedeckt, Freizeitunfälle in der Regel ebenfalls – dieser Anteil wird meist direkt von deinem Lohn abgezogen und sichert dich im Alltag ab.
Probezeit & Kündigung
Zu Beginn eines Jobs wird meist eine Probezeit vereinbart. In dieser Phase können sowohl du als auch dein Arbeitgeber einfacher entscheiden, ob die Zusammenarbeit passt. Die Kündigungsfristen sind in dieser Zeit in der Regel kürzer.
Nach der Probezeit gelten verbindlichere Regelungen. Eine Kündigung muss dann bestimmte Fristen einhalten und darf nicht einfach willkürlich erfolgen. Auch du hast jederzeit das Recht zu kündigen, wenn du merkst, dass der Job nicht zu dir passt.
Wichtig ist, dass Kündigungen korrekt ablaufen. Auch wenn ein Gespräch oft der erste Schritt ist, sollte eine Kündigung im Zweifel schriftlich erfolgen, damit alles klar dokumentiert ist.
Arbeitszeiten, Pausen & Ferien
Arbeitszeiten sind gesetzlich geregelt – besonders dann, wenn du noch jung bist oder erst in die Arbeitswelt einsteigst. Du hast Anspruch auf Pausen während der Arbeit und auf genügend Erholungszeit zwischen zwei Einsätzen. Diese Ruhezeiten sind wichtig, damit du leistungsfähig bleibst und dich nicht überlastest.
Auch Ferien sind ein zentraler Bestandteil deines Arbeitsverhältnisses. Sie dienen deiner Erholung und müssen dir gewährt werden. Wie viele Ferientage du hast, ist im Vertrag geregelt, darf aber gewisse Mindeststandards nicht unterschreiten. Wenn Überstunden anfallen, müssen diese ebenfalls geregelt sein – zum Beispiel durch Freizeit oder zusätzliche Bezahlung. Sie dürfen nicht einfach vorausgesetzt werden, ohne dass es eine klare Vereinbarung gibt.
Besondere Regeln für Jugendliche
Wenn du unter 18 bist, gelten in Liechtenstein zusätzliche Schutzbestimmungen. Diese sollen sicherstellen, dass deine Gesundheit, deine Sicherheit und deine Entwicklung nicht beeinträchtigt werden.
So ist zum Beispiel Nachtarbeit stark eingeschränkt oder ganz verboten. Auch die maximale Arbeitszeit ist klar geregelt und liegt unter jener von Erwachsenen. Gefährliche oder gesundheitsschädliche Tätigkeiten dürfen von Jugendlichen nicht ausgeführt werden.
In vielen Fällen ist zudem die Zustimmung deiner Eltern erforderlich – besonders bei längeren oder regelmässigen Arbeitsverhältnissen. Diese Regeln gelten nicht nur für feste Jobs, sondern auch für Ferienjobs oder Nebenbeschäftigungen.
Wenn etwas nicht stimmt
Nicht immer läuft im Job alles reibungslos. Vielleicht bekommst du deinen Lohn zu spät, arbeitest mehr als vereinbart oder fühlst dich unfair behandelt. In solchen Situationen ist es wichtig, dass du nicht einfach nichts sagst. Der erste Schritt ist meist ein offenes Gespräch mit deinem Arbeitgeber. Oft lassen sich Missverständnisse so schnell klären. Wenn das nicht hilft oder du dich unsicher fühlst, solltest du dir Unterstützung holen. Es ist völlig in Ordnung, Fragen zu stellen oder Hilfe in Anspruch zu nehmen – gerade, wenn du neu im Berufsleben bist.
Unterstützung & Beratung in Liechtenstein
Du musst dich mit solchen Themen nicht alleine auseinandersetzen. In Liechtenstein gibt es verschiedene Anlaufstellen, die dich unterstützen. Wir (aha) sind eine zentrale Anlaufstelle für junge Menschen zwischen 13 und 30 Jahren. Hier bekommst du Unterstützung bei Fragen rund ums Arbeiten, Bewerben oder bei Unsicherheiten im Job.
Auch offizielle Stellen wie das Amt für Volkswirtschaft können dir weiterhelfen, wenn es um rechtliche Fragen oder konkrete Situationen geht. Die Beratung ist in der Regel kostenlos und vertraulich – und kann dir helfen, Klarheit zu bekommen und die nächsten Schritte zu planen.
Weitere Infos unter LANV – Ihre Gewerkschaft