Welche Auslandsmöglichkeiten gibt es, wenn du Unterstützung brauchst?
Ein Auslandsaufenthalt kann auch dann möglich sein, wenn du eine Behinderung, eine chronische Erkrankung, psychische Belastungen, Neurodivergenz, Lernschwierigkeiten oder andere Unterstützungsbedarfe hast.
Barrierefrei bedeutet hier nicht nur «rollstuhlgerecht». Es geht auch um einfache Sprache, Begleitung, finanzielle Unterstützung, Assistenz, flexible Abläufe, medizinische Sicherheit, ruhige Rückzugsorte oder Hilfe bei der Reiseplanung.
Wichtig ist: Nicht jedes Angebot ist automatisch barrierefrei. Aber bei vielen Programmen gibt es Möglichkeiten, zusätzliche Unterstützung zu organisieren. Je früher du deine Bedürfnisse ansprichst, desto besser können Organisationen prüfen, was machbar ist.

ESK-Freiwilligenprojekte
Das Europäische Solidaritätskorps, ESK, ist ein weitgehend finanziertes Freiwilligenprogramm für 18- bis 30-Jährige in Europa. Unterkunft, Verpflegung, Reise, Taschengeld, Sprachkurs und Betreuung sind meist abgedeckt. Für junge Menschen mit Behinderungen oder anderem Unterstützungsbedarf sind zusätzliche Begleitung, Anpassungen im Projekt und weitere Kostenübernahmen möglich. Das aha begleitet dich vor, während und nach dem Einsatz.

DiscoverEU Inclusion
DiscoverEU ermöglicht jungen Menschen im 18. Altersjahr eine Zugreise durch Europa. DiscoverEU Inclusion richtet sich an Personen, die nicht allein reisen können oder mehr Unterstützung brauchen. Möglich sind Begleitung, Planungshilfe, passende Unterkünfte und individuelle Anpassungen. Das Angebot passt, wenn du Europa entdecken möchtest, aber eine klarere Struktur und verlässliche Ansprechpersonen brauchst.

Jugendbegegnungen und aha-Camps
Jugendbegegnungen und Camps bieten dir erste Auslandserfahrungen in einer betreuten Gruppe. Ein festes Programm, klare Ansprechpersonen und gemeinsame Aktivitäten geben Orientierung. Bei Erasmus+ Jugend können für Teilnehmende mit Behinderungen oder anderem Unterstützungsbedarf zusätzliche Kosten für Begleitung, Barrierefreiheit und Anpassungen beantragt werden. Das Angebot passt besonders für U18-Jährige und für deine erste Reise ohne Eltern.

MOJA und Go to Europe
MOJA und Go to Europe sind geförderte Auslandspraktika für Lernende und Lehrabgänger*innen aus Liechtenstein. Du sammelst Berufserfahrung und wirst bei Organisation und Finanzierung unterstützt. Bei Behinderungen oder anderem Unterstützungsbedarf können Anpassungen bei Unterkunft, Arbeitsort, Reise, Begleitung oder Sprache möglich sein. Kläre früh mit dem Amt für Berufsbildung, welche Unterstützung du erhalten kannst.

Erasmus+ Studium und Praktikum
Erasmus+ ermöglicht dir ein Studium oder Praktikum im Ausland. Für Studierende mit körperlichen, psychischen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen gibt es zusätzliche Inklusionsförderung. Sie kann Kosten für barrierefreie Unterkünfte, Reiseassistenz, medizinische Unterstützung, Hilfsmittel oder Begleitpersonen abdecken. Wende dich früh an das International Office oder die Erasmus+-Koordination deiner Hochschule, damit passende Lösungen organisiert werden können.

Sprachreise oder Sprachaufenthalt
Eine Sprachreise verbindet Sprachunterricht mit einem Aufenthalt im Ausland. Sie kann auch mit Behinderung oder Unterstützungsbedarf möglich sein, wenn Schule und Unterkunft passen. Kläre vor der Buchung, ob Unterrichtsräume, Wege und Zimmer barrierefrei sind und ob es Rückzugsräume, medizinische Versorgung und verlässliche Ansprechpersonen gibt. Das Angebot passt, wenn dir ein klarer Tagesablauf beim Lernen hilft.

Schuljahr im Ausland
Ein Schuljahr im Ausland verbindet Schulbesuch, Gastfamilie und Alltag in einem anderen Land. Auch mit Unterstützungsbedarf ist das möglich, braucht aber sorgfältige Vorbereitung. Schule, Unterkunft, medizinische Versorgung, Versicherung und Betreuung müssen früh geklärt werden. Für U18-Jährige sind organisierte Programme oft sicherer, weil Gastfamilien, Schulen und Notfallkontakte geprüft und Bezugspersonen eng einbezogen werden.

Kurzzeiteinsätze und Workcamps
Kurzzeiteinsätze und Workcamps dauern meist wenige Wochen und bieten einen begleiteten Einstieg in Freiwilligenarbeit im Ausland. Viele Programme arbeiten in Gruppen und haben feste Ansprechpersonen. Prüfe vor der Anmeldung, ob Unterkunft, Sanitäranlagen, Arbeitsort, Transport und Tagesablauf barrierefrei und passend sind. Das ist besonders wichtig bei körperlichen Einschränkungen, chronischen Erkrankungen oder psychischen Belastungen.

Lange Freiwilligeneinsätze
Lange Freiwilligeneinsätze dauern meist 2 bis 12 Monate und geben dir Zeit, ein Projekt und den Alltag vor Ort kennenzulernen. Sie können auch mit Behinderung oder Unterstützungsbedarf passen, brauchen aber gute Vorbereitung. Wichtig sind barrierefreie Bedingungen, klare Aufgaben, verlässliche Begleitung, ein Notfallplan sowie transparente Informationen zu Unterkunft, Versicherung und medizinischer Versorgung.

Arbeiten im Ausland / Work & Travel
Arbeiten im Ausland und Work and Travel bieten viel Freiheit, aber meist wenig Begleitung. Job, Unterkunft, Versicherung, Vertrag, medizinische Versorgung und Alltag organisierst du selbst. Das kann passen, wenn du sehr selbstständig bist und deine Bedürfnisse gut einschätzen kannst. Bei höherem Unterstützungsbedarf sind ESK, MOJA, Jugendbegegnungen oder DiscoverEU Inclusion meist geeigneter.
Welche Fragen solltest du vor der Anmeldung stellen?
Stelle deine Fragen möglichst konkret. So merkt die Organisation schneller, was du brauchst und ob sie dich gut unterstützen kann.
• Ist die Unterkunft barrierefrei oder passend für meine Bedürfnisse?
• Wie komme ich vom Wohnort zum Projekt, zur Schule oder zum Arbeitsplatz?
• Gibt es eine Ansprechperson vor Ort, auch ausserhalb der Bürozeiten?
• Kann eine Begleitperson oder Assistenz mitreisen?
• Gibt es ruhige Rückzugsorte oder flexible Pausen?
• Wie ist die medizinische Versorgung in der Nähe?
• Was passiert im Notfall?
• Welche Zusatzkosten können übernommen werden?
• Gibt es Erfahrung mit Teilnehmenden mit ähnlichem Unterstützungsbedarf?
• Kann ich vorab mit ehemaligen Teilnehmenden sprechen?
Welche Unterstützung kann finanziert werden?
Bei Erasmus+ und ESK gibt es Möglichkeiten für Inklusionsunterstützung. Diese Unterstützung kann helfen, Hindernisse abzubauen. Je nach Programm und Antrag können zum Beispiel zusätzliche Reise- oder Unterkunftskosten, Begleitpersonen, Hilfsmittel, medizinisch notwendige Unterstützung oder verstärkte Betreuung berücksichtigt werden.
Wichtig: Diese Unterstützung muss in der Regel vorab beantragt und begründet werden. Melde dich deshalb früh bei der zuständigen Stelle, zum Beispiel beim aha, beim ABB, bei der AIBA, bei deiner Schule oder Hochschule.
Wie planst du deinen Auslandsaufenthalt Schritt für Schritt?
Wie planst du deinen Auslandsaufenthalt Schritt für Schritt?
Schreib auf, was dir im Alltag hilft. Zum Beispiel barrierefreie Wege, Medikamente, klare Tagesstruktur, Assistenz, ruhige Zimmer, Begleitung, einfache Sprache oder regelmässige Pausen.
Brauchst du viel Begleitung? Dann starte eher mit einem Camp, einer Jugendbegegnung, ESK oder DiscoverEU Inclusion. Bist du sehr selbstständig? Dann können Sprachreise, Praktikum oder Arbeit im Ausland passen.
Melde dich beim aha, bei deiner Schule, beim ABB oder bei der AIBA. Je früher du fragst, desto mehr Möglichkeiten gibt es.
Prüfe Krankenversicherung, Reiseversicherung, Medikamente, Rezepte, Hilfsmittel, Notfallkontakte und medizinische Versorgung im Zielland.
Frage nach Fotos, Stockwerk, Lift, Türbreiten, Badezimmer, Weg zur Schule oder Arbeit, ÖV-Anbindung und Rückzugsmöglichkeiten.
Lass dir wichtige Abmachungen bestätigen. Dazu gehören Unterstützung, Aufgaben, Kosten, Kontaktpersonen, Notfallplan und Unterkunft.
Welche Angebote passen zu welchem Bedarf?
| Bedarf | Besonders passende Angebote | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Du brauchst Begleitung | ESK, Jugendbegegnung, aha-Camp, DiscoverEU Inclusion | Ansprechperson, Notfallkontakt, klare Tagesstruktur |
| Du hast wenig Geld | ESK, DiscoverEU Inclusion, Erasmus+ Jugendbegegnung, MOJA | Zusatzförderung früh abklären |
| Du bist U18 | aha-Camps, Jugendbegegnungen, Schuljahr, Sprachreise | Betreuung, Einverständnis der Eltern / Erziehungsberechtigten, Versicherung |
| Du hast eine körperliche Behinderung | Erasmus+, ESK, DiscoverEU Inclusion, ausgewählte Sprachreisen | Unterkunft, Transport, Assistenz, Hilfsmittel |
| Du hast eine chronische Erkrankung | ESK, MOJA, Sprachreise, Schuljahr | Medikamente, Ärzt*innen, Versicherung, Notfallplan |
| Du hast psychische Belastungen | Jugendbegegnung, aha-Camp, ESK mit guter Begleitung | Rückzugsorte, feste Ansprechperson, Überforderung vermeiden |
| Du möchtest selbstständig reisen | DiscoverEU, selbstorganisiertes Reisen | Barrierefreie Routen, Unterkunft, Reserveplan |
Was ist bei Reisen mit Behinderung besonders wichtig?
Plane nicht nur das Programm, sondern auch den Weg dorthin. Dazu gehören Bahnhof, Flughafen, Umstieg, Gepäck, Assistenz, Unterkunft, öffentlicher Verkehr und medizinische Versorgung. Viele Probleme entstehen nicht im Projekt selbst, sondern unterwegs oder im Alltag vor Ort.
Hilfreich ist eine Checkliste mit drei Spalten:
MUST
Was muss unbedingt funktionieren? Schreib es dir auf!
SHOULD
Was wäre sehr hilfreich? Schreib es dir auf!
COULD
Was wäre schön, muss aber nicht zwingend sein? Schreib es dir auf!
So kannst du gegenüber Organisationen klar sagen, was wirklich notwendig ist.
Wo bekommst du Beratung?
Wenn du aus Liechtenstein kommst, kannst du dich beim aha melden. Das aha hilft dir, ein passendes Format zu finden und Fragen zu klären.
Kontaktmöglichkeiten ahaFragen & Antworten
Ja, oft ist das möglich. Entscheidend ist, welches Format du wählst und welche Unterstützung du brauchst. Programme mit Begleitung und Förderung sind meist besser geeignet als komplett selbstorganisierte Aufenthalte.
Du musst nicht alles offenlegen. Aber wenn du Unterstützung, Anpassungen oder Zusatzförderung brauchst, müssen die zuständigen Personen wissen, was dafür nötig ist. Teile nur Informationen, die für Planung, Sicherheit und Unterstützung wichtig sind.
Ja, bei Erasmus+ und ESK kann Inklusionsunterstützung möglich sein. Diese muss in der Regel vorab über die zuständige Organisation beantragt werden.
Für den Einstieg eignen sich oft Jugendbegegnungen, aha-Camps, DiscoverEU Inclusion oder ein ESK-Projekt mit guter Begleitung. Sie bieten mehr Struktur als Work & Travel oder selbstorganisiertes Reisen.
Frag konkret nach, was möglich ist und was nicht. Wenn die Organisation keine klaren Antworten gibt, ist Vorsicht sinnvoll. Hol dir dann Beratung beim aha oder prüfe ein anderes Angebot.
Bei manchen Programmen ist das möglich, besonders bei Erasmus+ und DiscoverEU Inclusion. Ob Kosten übernommen werden können, hängt vom Programm, vom Antrag und vom konkreten Unterstützungsbedarf ab.