Barrierefreie Angebote im Ausland 

  • Auch mit Behinderung, chronischer Erkrankung, psychischer Belastung oder anderem Unterstützungsbedarf ist ein Auslandsaufenthalt möglich.
  • Unterstützung kann zum Beispiel Assistenz, einfache Sprache, finanzielle Hilfe, flexible Abläufe oder medizinische Sicherheit umfassen.
  • Sprich deine Bedürfnisse möglichst früh an, damit die Organisation passende Lösungen prüfen kann.

Welche Auslandsmöglichkeiten gibt es, wenn du Unterstützung brauchst? 

Ein Auslandsaufenthalt kann auch dann möglich sein, wenn du eine Behinderung, eine chronische Erkrankung, psychische Belastungen, Neurodivergenz, Lernschwierigkeiten oder andere Unterstützungsbedarfe hast. 

Barrierefrei bedeutet hier nicht nur «rollstuhlgerecht». Es geht auch um einfache Sprache, Begleitung, finanzielle Unterstützung, Assistenz, flexible Abläufe, medizinische Sicherheit, ruhige Rückzugsorte oder Hilfe bei der Reiseplanung. 

Wichtig ist: Nicht jedes Angebot ist automatisch barrierefrei. Aber bei vielen Programmen gibt es Möglichkeiten, zusätzliche Unterstützung zu organisieren. Je früher du deine Bedürfnisse ansprichst, desto besser können Organisationen prüfen, was machbar ist. 

Welche Fragen solltest du vor der Anmeldung stellen? 

Stelle deine Fragen möglichst konkret. So merkt die Organisation schneller, was du brauchst und ob sie dich gut unterstützen kann. 

• Ist die Unterkunft barrierefrei oder passend für meine Bedürfnisse? 
• Wie komme ich vom Wohnort zum Projekt, zur Schule oder zum Arbeitsplatz? 
• Gibt es eine Ansprechperson vor Ort, auch ausserhalb der Bürozeiten? 
• Kann eine Begleitperson oder Assistenz mitreisen? 
• Gibt es ruhige Rückzugsorte oder flexible Pausen? 
• Wie ist die medizinische Versorgung in der Nähe? 
• Was passiert im Notfall? 
• Welche Zusatzkosten können übernommen werden? 
• Gibt es Erfahrung mit Teilnehmenden mit ähnlichem Unterstützungsbedarf? 
• Kann ich vorab mit ehemaligen Teilnehmenden sprechen? 

Welche Unterstützung kann finanziert werden?

Bei Erasmus+ und ESK gibt es Möglichkeiten für Inklusionsunterstützung. Diese Unterstützung kann helfen, Hindernisse abzubauen. Je nach Programm und Antrag können zum Beispiel zusätzliche Reise- oder Unterkunftskosten, Begleitpersonen, Hilfsmittel, medizinisch notwendige Unterstützung oder verstärkte Betreuung berücksichtigt werden. 

Wichtig: Diese Unterstützung muss in der Regel vorab beantragt und begründet werden. Melde dich deshalb früh bei der zuständigen Stelle, zum Beispiel beim aha, beim ABB, bei der AIBA, bei deiner Schule oder Hochschule.

Wie planst du deinen Auslandsaufenthalt Schritt für Schritt? 

Wie planst du deinen Auslandsaufenthalt Schritt für Schritt? 

1. Überlege, was du brauchst 

Schreib auf, was dir im Alltag hilft. Zum Beispiel barrierefreie Wege, Medikamente, klare Tagesstruktur, Assistenz, ruhige Zimmer, Begleitung, einfache Sprache oder regelmässige Pausen. 

2. Wähle ein passendes Format 

Brauchst du viel Begleitung? Dann starte eher mit einem Camp, einer Jugendbegegnung, ESK oder DiscoverEU Inclusion. Bist du sehr selbstständig? Dann können Sprachreise, Praktikum oder Arbeit im Ausland passen. 

3. Sprich früh mit einer Beratungsstelle 

Melde dich beim aha, bei deiner Schule, beim ABB oder bei der AIBA. Je früher du fragst, desto mehr Möglichkeiten gibt es. 

4. Kläre Versicherung und Gesundheit 

Prüfe Krankenversicherung, Reiseversicherung, Medikamente, Rezepte, Hilfsmittel, Notfallkontakte und medizinische Versorgung im Zielland. 

5. Prüfe die Unterkunft genau 

Frage nach Fotos, Stockwerk, Lift, Türbreiten, Badezimmer, Weg zur Schule oder Arbeit, ÖV-Anbindung und Rückzugsmöglichkeiten. 

6. Vereinbare alles schriftlich 

Lass dir wichtige Abmachungen bestätigen. Dazu gehören Unterstützung, Aufgaben, Kosten, Kontaktpersonen, Notfallplan und Unterkunft. 

Welche Angebote passen zu welchem Bedarf? 

Was ist bei Reisen mit Behinderung besonders wichtig? 

Plane nicht nur das Programm, sondern auch den Weg dorthin. Dazu gehören Bahnhof, Flughafen, Umstieg, Gepäck, Assistenz, Unterkunft, öffentlicher Verkehr und medizinische Versorgung. Viele Probleme entstehen nicht im Projekt selbst, sondern unterwegs oder im Alltag vor Ort. 

Hilfreich ist eine Checkliste mit drei Spalten:

MUST 

Was muss unbedingt funktionieren? Schreib es dir auf!

SHOULD

Was wäre sehr hilfreich? Schreib es dir auf!

COULD

Was wäre schön, muss aber nicht zwingend sein? Schreib es dir auf!

So kannst du gegenüber Organisationen klar sagen, was wirklich notwendig ist. 

Wo bekommst du Beratung? 

Wenn du aus Liechtenstein kommst, kannst du dich beim aha melden. Das aha hilft dir, ein passendes Format zu finden und Fragen zu klären. 

Kontaktmöglichkeiten aha

Fragen & Antworten

Kann ich mit Behinderung überhaupt ins Ausland? 

Ja, oft ist das möglich. Entscheidend ist, welches Format du wählst und welche Unterstützung du brauchst. Programme mit Begleitung und Förderung sind meist besser geeignet als komplett selbstorganisierte Aufenthalte. 

Muss ich meine Behinderung oder Erkrankung angeben? 

Du musst nicht alles offenlegen. Aber wenn du Unterstützung, Anpassungen oder Zusatzförderung brauchst, müssen die zuständigen Personen wissen, was dafür nötig ist. Teile nur Informationen, die für Planung, Sicherheit und Unterstützung wichtig sind. 

Gibt es zusätzliche finanzielle Unterstützung? 

Ja, bei Erasmus+ und ESK kann Inklusionsunterstützung möglich sein. Diese muss in der Regel vorab über die zuständige Organisation beantragt werden. 

Welches Angebot ist am besten für den Einstieg? 

Für den Einstieg eignen sich oft Jugendbegegnungen, aha-Camps, DiscoverEU Inclusion oder ein ESK-Projekt mit guter Begleitung. Sie bieten mehr Struktur als Work & Travel oder selbstorganisiertes Reisen. 

Was mache ich, wenn ein Anbieter unsicher reagiert? 

Frag konkret nach, was möglich ist und was nicht. Wenn die Organisation keine klaren Antworten gibt, ist Vorsicht sinnvoll. Hol dir dann Beratung beim aha oder prüfe ein anderes Angebot. 

Kann eine Begleitperson mitkommen? 

Bei manchen Programmen ist das möglich, besonders bei Erasmus+ und DiscoverEU Inclusion. Ob Kosten übernommen werden können, hängt vom Programm, vom Antrag und vom konkreten Unterstützungsbedarf ab. 

Mirjam Schiffer

Mirjam Schiffer

Koordinatorin Jugendinfo, Projekte


Bei Fragen kannst du dich jederzeit bei unserer Mitarbeitenden melden.

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