Auf Lehrs­tel­len­suche: Geduld zahlt sich aus

aha-Team

Jugendteam-Autor/in

INTEGRATION 

Ausländische Eltern? Keine liechtensteinische Staatsangehörigkeit? Ein ungewöhnlicher Name? Jugendliche mit Migrationshintergrund haben oft Schwierigkeiten, eine Lehrstelle zu finden. Dabei sind viele von ihnen sehr motiviert und bildungseifrig.

«Ich wollte Kauffrau werden, das war klar.» Chiara D’Alcamo kam als 18-Jährige vor drei Jahren nach Liechtenstein – ohne Deutschkenntnisse. Während andere Jugendliche in ihrem Alter bereits eine Berufsausbildung anstrebten, musste Chiara erst Deutsch lernen. Ein Jahr lang besuchte sie den Intensivkurs Deutsch als Zweitsprache (IK DaZ) und konnte sich dann verständigen. Doch mit Kunden zu kommunizieren, Briefe zu schreiben oder den Berufsschulunterricht zu folgen, war weiterhin eine Herausforderung. Deshalb entschied sie sich für das Freiwillige 10. Schuljahr.

«Im IK DaZ können neu angekommene Jugendliche ohne Deutschkenntnisse in Ruhe die Kultur, das Land und die Menschen Liechtensteins kennenlernen und sich auf das Erlernen der Sprache konzentrieren», erklärt Waltraud Schönenberger-Schädler, Lehrerin im Freiwilligen 10. Schuljahr. Das Hauptziel sei aber die Integration. Kinder unter 16 Jahren können danach in die Regelschule wechseln. Für ältere Jugendliche ist der Übergang schwieriger, weshalb das Freiwillige 10. Schuljahr eine wertvolle Anschlussmöglichkeit bis zum 21. Lebensjahr bietet. Dort können sie weiterhin intensiv Deutsch lernen und gleichzeitig eine Lehrstelle suchen. «Das ist eine grosse Herausforderung für viele», erklärt Schönenberger-Schädler, da die Jugendlichen und ihre Familien oft noch keine Netzwerke im Land haben und Unterstützung benötigen

Vorbehalte aus dem Weg räumen

Ana Maria Lôpez Correa kam vor vier Jahren aus Kolumbien nach Liechtenstein. Bereits in der Werkklasse wurde ihre handwerkliche Begabung erkannt. Bei einem Praktikum in der Fenometal AG fertigte sie eine Rose an, was Begeisterung auslöste. Dennoch waren Zweifel vorhanden, ob sie der körperlichen Arbeit gewachsen wäre. Nach einer weiteren Schnupperwoche erhielt sie jedoch die Lehrstelle – obwohl das Unternehmen eigentlich keine freie Stelle hatte.

«Es ist wichtig, dass Jugendliche die Möglichkeit haben, Schnuppertage zu machen, damit ihr Potenzial erkannt wird», betont Schönenberger-Schädler. Oft hätten Betriebe jedoch Vorbehalte gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Diese könnten aus Bedenken bezüglich der Sprache oder kulturellen Unterschiede resultieren. «Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund finden nur schwer eine Lehrstelle, auch wenn sie sehr engagiert sind und gute Noten haben.»

Auch Jwana Malla Mahmoud machte diese Erfahrung. «Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, oft Absagen erhalten oder gar keine Rückmeldung bekommen.» Sie träumt davon, Zahnärztin zu werden, eine Berufswahl, die aus ihrem familiären Hintergrund in Syrien herrührt. Eine Absage nach einem Schnuppertag in einer Zahnarztpraxis war für sie besonders enttäuschend. Doch sie gab nicht auf und absolviert nun eine Lehre als Dentalassistentin. Ihren Traum, Zahnärztin zu werden, hat sie nicht aufgegeben: Nach der Lehre plant sie, die Berufsmaturitätsschule zu besuchen und später ein Studium zu beginnen. «Es ist nicht einfach, aber man kann alles schaffen», sagt sie optimistisch.

Breite Unterstützung

Auch Chiara D’Alcamo hat ihren Traumberuf gefunden. Obwohl ihre Deutschkenntnisse anfangs nicht ausreichten, ermutigte ihre Mutter sie, sich bei der Meisterbau AG zu bewerben. «Ich hatte keine grossen Erwartungen, aber heute bin ich meiner Mutter dankbar», sagt Chiara. Sie erhielt eine Lehrstelle als Bürokauffrau und kann inzwischen den Dialekt verstehen. Das Freiwillige 10. Schuljahr bietet weiterhin sprachliche Unterstützung an, um die Jugendlichen in ihren ersten Lehrjahren zu fördern.

Dieser Artikel ist Teil einer Beitragsreihe der Kinderlobby Liechtenstein, die sich für die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen einsetzt. Mehr Informationen auf www.oskj.li.

Lisa Hilbe

Lisa Hilbe

Online-Kommunikation & Jugendinformation


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