Notfälle und Soforthilfe

  • Bei akuter Gefahr rufst du 117, 144, 118 oder 112. Lieber einmal zu früh Hilfe holen als zu spät.
  • Bei Vergiftungen oder Verdacht auf Vergiftung erreichst du Tox Info Suisse unter 145. Bei Bewusstlosigkeit oder Atemproblemen rufst du sofort 144.
  • Eine offizielle Übersicht zu Notfällen, Krisen, Schutz vor Gewalt und sozialer Hilfe findest du auf Notfall & Katastrophenfall. 

Wann ist es ein Notfall?

Ein Notfall ist eine Situation, in der jemand sofort Hilfe braucht. Zum Beispiel, weil eine Person verletzt ist, bedroht wird, nicht mehr richtig atmet, bewusstlos ist, stark blutet, vergiftet sein könnte oder nach Alkohol oder Drogen nicht mehr ansprechbar ist. 

Du musst nicht sicher sein, ob es «wirklich schlimm genug» ist. Wenn du Angst hast, dass jemand in Gefahr ist, ruf Hilfe. Die Person am Notruf sagt dir, was du als Nächstes tun sollst.

Welche Nummer rufst du im Notfall an? 

Speichere dir diese Nummern im Handy. Sie können wichtig sein, wenn du selbst Hilfe brauchst oder jemand anderem helfen willst. 

• Polizei: 117 
• Rettung oder medizinischer Notfall: 144 
• Feuerwehr: 118 
• Euro-Notruf: 112 
• Vergiftungsnotruf Tox Info Suisse: 145 
• Dargebotene Hand: 143 
• Kriseninterventionsteam Liechtenstein: +423 230 05 06 

Wenn du nicht weisst, welche Nummer passt, ist 112 eine gute Wahl. Über den Euro-Notruf wirst du weitergeleitet. 

Eine offizielle Übersicht zu Notfällen, Krisen, finanzieller und sozialer Hilfe, Schutz vor Gewalt, Opferhilfe und Katastrophenschutz findest du auf Notfall & Katastrophenfall

Was sagst du am Notruf? 

Bleib so ruhig wie möglich. Du musst nicht perfekt sprechen. Wichtig ist, dass die Notrufzentrale die Situation versteht. 

Sag zuerst, wo du bist. Nenne die Adresse, den Ort, den Treffpunkt oder beschreibe die Umgebung. Dann sag, was passiert ist. Zum Beispiel: «Eine Person ist bewusstlos», «jemand wurde geschlagen», «jemand hat Tabletten genommen» oder «eine Person atmet komisch». 

Wenn du kannst, beantworte diese Fragen: 

• Wo bist du? 
• Was ist passiert? 
• Wie viele Personen sind betroffen? 
• Ist jemand bewusstlos oder verletzt? 
• Atmet die Person normal? 
• Gibt es eine Gefahr für dich oder andere? 
• Wer ruft an und unter welcher Nummer bist du erreichbar? 

Leg nicht einfach auf. Die Notrufzentrale beendet das Gespräch oder sagt dir, was du tun sollst. 

Was kannst du tun, bis Hilfe kommt? 

Bring dich zuerst selbst in Sicherheit. Du kannst niemandem helfen, wenn du selbst in Gefahr gerätst. Wenn die Situation gefährlich ist, geh weg, such andere Menschen und ruf Hilfe. 

Wenn es sicher ist, bleib bei der betroffenen Person. Sprich ruhig mit ihr. Sag ihr, dass Hilfe unterwegs ist. Bitte andere Personen konkret um Hilfe, zum Beispiel: «Du rufst 144» oder «Du wartest draussen auf die Rettung». 

Bei medizinischen Notfällen gilt: Prüfe, ob die Person reagiert und normal atmet. Wenn eine Person bewusstlos ist, aber normal atmet, bring sie in die stabile Seitenlage, wenn du weisst, wie das geht. Wenn die Person nicht normal atmet, rufe sofort 144 und folge den Anweisungen der Notrufzentrale. 

Wenn du unsicher bist, mach lieber den Notruf. Du bekommst dort Schritt für Schritt Hilfe. 

Was machst du bei Gewalt oder Übergriffen? 

Wenn du Gewalt erlebst oder Angst vor Gewalt hast, zählt zuerst deine Sicherheit. Gewalt kann körperlich, psychisch, sexualisiert, digital oder finanziell sein. Geh, wenn möglich, an einen Ort mit anderen Menschen und sprich eine erwachsene Person, Security, Barpersonal, Lehrpersonen oder Passant*innen an. 

Wenn du nicht offen sagen kannst, dass du Hilfe brauchst, nutze kurze Sätze. Zum Beispiel: «Ich fühle mich nicht sicher», «Bitte bleib bei mir» oder «Ruf bitte die Polizei.» Bei akuter Gefahr rufst du die Polizei unter 117. 

Wenn du nach einer Gewaltsituation nicht weisst, welche Stelle zuständig ist, hilft dir die Übersicht Notfall & Katastrophenfall weiter. Dort findest du offizielle Informationen zu Schutz vor Gewalt, Opferhilfe und weiteren Unterstützungsangeboten. Wenn du Opfer einer Straftat wurdest, kannst du dich an die Opferhilfestelle Liechtenstein wenden. Wenn du Schutz brauchst, kann das Frauenhaus Liechtenstein helfen. Wenn du selbst Gewalt ausübst oder Angst hast, gewalttätig zu werden, kannst du dich an gewaltig, Gewaltberatung wenden. 

Wie kannst du sicher helfen, wenn du etwas beobachtest?

Wenn du einen Notfall, Gewalt, Belästigung oder eine bedrohliche Situation beobachtest, musst du nicht wegschauen. Du kannst helfen, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen. Wichtig ist: Deine Sicherheit zählt auch. Wenn die Situation gefährlich wirkt oder jemand akut bedroht ist, hol sofort Unterstützung und ruf im Notfall die Polizei unter 117. 

Die 5 Möglichkeiten helfen dir, handlungsfähig zu bleiben: 

Direkt ansprechen: Wenn es sicher ist, kannst du klar sagen: «Stopp, lass sie in Ruhe» oder «Das ist nicht okay.» Bleib ruhig, halte Abstand und bring dich nicht selbst in Gefahr. 

Ablenken: Unterbrich die Situation, ohne die Täterperson direkt zu konfrontieren. Frag zum Beispiel nach der Uhrzeit, tu so, als würdest du die betroffene Person kennen, oder sag: «Komm, wir müssen los.» 

Unterstützung holen: Sprich andere Personen konkret an, zum Beispiel Security, Barpersonal, Lehrpersonen, Busfahrerinnen oder Passantinnen. Sag nicht nur «Kann jemand helfen?», sondern zum Beispiel: «Du mit der roten Jacke, bitte ruf die Polizei.» 

Dokumentieren: Wenn es sicher ist, kannst du filmen oder wichtige Details notieren. Achte darauf, dich nicht selbst zu gefährden. Teile Aufnahmen nicht online. Gib sie nur der betroffenen Person oder der Polizei, wenn die betroffene Person das möchte. 

Danach da sein: Frag die betroffene Person nachher, was sie braucht. Zum Beispiel: «Soll ich bei dir bleiben?», «Soll ich jemanden anrufen?» oder «Möchtest du eine Beratungsstelle kontaktieren?» Manchmal hilft es schon, wenn jemand ruhig bleibt und zeigt: Du bist nicht allein. 

Was ist das Notfallhandzeichen? 

Das internationale Notfallhandzeichen kann zeigen: «Ich brauche Hilfe.» Es kann genutzt werden, wenn eine Person nicht sprechen kann oder nicht offen um Hilfe bitten darf, zum Beispiel bei häuslicher Gewalt, Bedrohung, Kontrolle oder in einem Videochat. 

Was machst du bei Drogen- oder Alkoholnotfällen? 

Wenn jemand nach Alkohol, Medikamenten oder Drogen nicht mehr ansprechbar ist, Atemprobleme hat, stark verwirrt ist, Krampfanfälle hat, sehr blass oder blau wirkt, immer wieder erbricht oder nicht mehr stehen kann, ruf sofort 144

Lass die Person nicht allein. Sprich ruhig mit ihr und schütze sie vor Stürzen, Kälte oder Überhitzung. Wenn die Person bewusstlos ist, aber normal atmet, bring sie in die stabile Seitenlage, wenn du weisst, wie das geht. Halte die Atemwege frei und achte darauf, dass Erbrochenes abfliessen kann. 

Sag der Rettung ehrlich, was konsumiert wurde, wenn du es weisst. Auch wenn es um illegale Substanzen geht: Für die medizinische Hilfe ist diese Information wichtig. Es geht zuerst darum, Leben zu retten. 

Gib der Person keine weiteren Substanzen, keinen Alkohol und keine Medikamente. Versuch nicht, sie «auszunüchtern» oder zum Erbrechen zu bringen. 

Was machst du bei Vergiftungen? 

Bei Vergiftungen oder Verdacht auf Vergiftung rufst du Tox Info Suisse unter 145 an. Das gilt zum Beispiel bei Medikamenten, Reinigungsmitteln, Chemikalien, Pflanzen, Pilzen, Drogen oder unbekannten Stoffen. 

Wenn die Person bewusstlos ist, Atemprobleme hat oder Kreislaufprobleme zeigt, ruf sofort 144

Wenn die Person wach ist, halte die Verpackung, das Medikament, die Pflanze oder den Stoff bereit. Sag am Telefon, was genommen wurde, wie viel ungefähr, wann es passiert ist und wie alt oder schwer die betroffene Person ungefähr ist. 

Wichtig: Löse kein Erbrechen aus. Gib Aktivkohle oder andere Mittel nur, wenn Tox Info Suisse oder eine medizinische Fachperson es dir sagt. 

Was machst du bei sexueller Belästigung oder Übergriffen? 

Wenn dich jemand bedrängt, belästigt, anfasst oder du dich nicht sicher fühlst, geh möglichst zu anderen Menschen. Sprich Barpersonal, Security, Freund*innen oder eine erwachsene Person an. Du musst nicht erklären, warum du dich unwohl fühlst. Es reicht zu sagen: «Ich brauche Hilfe» oder «Bitte bring mich weg von hier.» 

In manchen Bars, Clubs oder Veranstaltungen gibt es Codewörter wie «Ist Luisa da?», «Angel Shot» oder «Ask for Angela». Damit kannst du diskret Hilfe holen. Nicht alle Orte kennen diese Codes. Wenn du unsicher bist, sprich trotzdem eine Person vom Personal direkt an. 

Wenn ein Übergriff passiert ist, bist du nicht schuld. Du kannst dich an die Opferhilfestelle Liechtenstein, die Polizei oder eine Vertrauensperson wenden. Du darfst dir Unterstützung holen, auch wenn du noch nicht weisst, ob du Anzeige machen möchtest.

Checkliste: Was hilft im Notfall?

Bring dich zuerst selbst in Sicherheit. 
• Ruf Hilfe, wenn du unsicher bist. 
• Sag am Telefon zuerst, wo du bist. 
• Bleib bei der betroffenen Person, wenn es sicher ist. 
• Lass bewusstlose oder stark betrunkene Personen nicht allein. 
• Gib bei Drogen, Alkohol oder Vergiftung ehrlich an, was passiert ist. 
• Bewahre Beweise auf, wenn es um Gewalt, Drohungen, Übergriffe oder Mobbing geht. 
• Mach Screenshots, wenn digitale Gewalt oder Drohungen passiert sind. 
• Hol dir danach Unterstützung, auch wenn die akute Situation vorbei ist. 

Was passiert nach dem Notfall? 

Nach einem Notfall kann es sein, dass du erst später merkst, wie stark dich die Situation belastet. Vielleicht zitterst du, schläfst schlecht, hast Bilder im Kopf oder fühlst dich schuldig. Das kann nach belastenden Erlebnissen vorkommen. 

Du musst damit nicht allein bleiben. Wenn dich ein Ereignis nicht loslässt, kannst du dich an das Kriseninterventionsteam Liechtenstein oder Helpchat wenden. Wenn du Jugendliche*r bist, ist auch 147 eine gute erste Anlaufstelle. 

Wo findest du weitere Beratung? 

Im Artikel Beratungsstellen in Liechtenstein: Wo bekommst du Hilfe? findest du eine Übersicht zu Anlaufstellen für Jugendliche, Gewalt, psychische Belastung, Sucht, Diskriminierung, Schwangerschaft, Integration und Rechtsfragen. 


Mirjam Schiffer

Mirjam Schiffer

Koordinatorin Jugendinfo, Projekte


Bei Fragen kannst du dich jederzeit bei unserer Mitarbeitenden melden.

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