Schulden (vermeiden) 

    • Handy, In-App-Käufe, Online-Shopping, Ratenzahlung, Leasing und Kontoüberzug sind häufige Schuldenfallen.
    • Rechnungen, Mahnungen und Inkasso-Schreiben nie ignorieren.
    • Hol dir früh Hilfe, wenn du das Gefühl hast, dass dir das Finanzielle über den Kopf wächst.

Ein Klick bei Spotify, das neue Smartphone auf Raten oder die coolen Sneaker per „Buy now, pay later“: Im Alltag schnappen Schuldenfallen oft unbemerkt zu. Doch ab wann wird das liebe Geld eigentlich zum echten Problem?

Hier erfährst du, wie du typische Fallen erkennst, dein Budget schützt und was du tun kannst, wenn dir die Rechnungen bereits über den Kopf wachsen.

Was sind Schulden?

Schulden heisst: Du hast dir Geld geliehen und musst es jemandem zurückzahlen. Das kann ein Online-Shop sein, eine Bank, ein Handy-Anbieter, eine Freundin, ein Vermieter oder ein Amt. 
Nicht jede Schuld ist sofort ein Problem. Solange du deine Rechnungen pünktlich bezahlst, ist das kein Problem. Kritisch wird es erst, wenn das Geld am Monatsende regelmässig weg ist und die ersten Mahnungen eintrudeln.  

Kenne den Unterschied
Verschuldung bedeutet: Du hast Schulden, kannst sie aber noch zahlen.  
Überschuldung bedeutet: Deine Schulden sind so hoch, dass du sie mit deinem Einkommen kaum oder nicht mehr zurückzahlen kannst und dein Alltag darunter leidet. 

Wann werden Schulden gefährlich? 

Gefährlich werden Schulden, wenn wichtige Zahlungen offen bleiben. Dazu gehören vor allem Miete, Krankenkasse, Strom, wichtige Versicherungen, Bussen und Geldstrafen. Wenn diese Kosten nicht bezahlt werden, können zusätzliche Gebühren, rechtliche Schritte oder weitere Probleme entstehen. 

Auch kleinere Schulden können gefährlich werden, wenn viele davon zusammenkommen. Eine offene Rechnung, ein Abo, ein Game-Kauf und eine Ratenzahlung wirken einzeln machbar. Zusammen können sie dein Budget sprengen. 

Ein Budget hilft dir, solche kleinen Beträge sichtbar zu machen, bevor sie zu einem Problem werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du im Beitrag Budget planen

Welche Schuldenfallen sind typisch? 

Handy und In-App-Käufe 

Das Handy ist fast immer dabei. Genau deshalb ist es riskant. Ein Abo ist schnell abgeschlossen, ein In-App-Kauf passiert in Sekunden, und ein neues Handy wirkt günstig, wenn nur die Monatsrate sichtbar ist. 

Achte besonders auf: 

  • teure Handy-Abos  
  • In-App-Käufe in Games  
  • ungewollte Abos  
  • Roamingkosten  
  • Streaming, Cloudspeicher und Zusatzpakete  
  • Ratenzahlungen für Geräte  

Prüfe deine Handyrechnung regelmässig. Stell Kostenlimiten ein, wenn das möglich ist. Wenn du oft über die Grenze fährst, achte zusätzlich auf Roaming und Netzwechsel. 

Online-Shopping und «jetzt kaufen, später zahlen» 

Online-Shopping ist bequem. Genau das macht es gefährlich. Du siehst das Produkt, klickst, bezahlst später und merkst erst am Monatsende, wie viel zusammengekommen ist. 

Besonders vorsichtig solltest du bei Kauf auf Rechnung, Teilzahlung und «Buy now, pay later» sein. Diese Angebote verschieben die Zahlung in die Zukunft. Das kann praktisch sein, wenn du genau planst. Es wird aber riskant, wenn du mit Geld rechnest, das noch nicht sicher da ist. 

Frage dich vor jedem Kauf: Würde ich den vollen Betrag heute bezahlen? Wenn nein, warte. 

Ratenzahlung, Leasing und Kredit 

Raten klingen klein. Das Problem ist: Du verpflichtest dich über Monate oder Jahre. Wenn mehrere Raten zusammenkommen, ist dein zukünftiges Einkommen schon verplant, bevor du es bekommst. 

Rechne immer den Gesamtbetrag aus, nicht nur die Monatsrate. Dazu kommen oft Zinsen, Gebühren, Versicherungen oder Servicekosten. Bei Auto, Töff oder teuren Geräten entstehen zusätzlich laufende Kosten wie Reparaturen, Treibstoff, Versicherung, Vignette, Parken oder Zubehör. 

Ratenzahlung ist kein Rabatt. Sie ist eine Verpflichtung. Wenn du etwas Grösseres kaufen möchtest, ist Ansparen oft sicherer als Ratenzahlung. Im Beitrag Geld sparen findest du Tipps zu Sparzielen, Notgroschen und kleinen Geldlecks im Alltag. 

Kontoüberzug und Kreditkarte 

Wenn du mehr ausgibst, als auf deinem Konto ist, entsteht ein Kontoüberzug. Das kann teuer werden. Bei Jugendkonten ist Überziehen oft nicht oder nur eingeschränkt möglich, trotzdem solltest du die Bedingungen deiner Bank kennen. 

Auch Kreditkarten können den Überblick erschweren. Du bezahlst jetzt, die Abrechnung kommt später. Für den Anfang ist eine Debitkarte oft übersichtlicher, weil das Geld direkt vom Konto abgebucht wird. Mehr Infos im Beitrag über das Jugendkonto.

Geld bei Freund*innen 

Sich einmal Geld von Freund*innen zu leihen, ist nicht automatisch schlimm. Schwierig wird es, wenn du dir regelmässig kleine Beträge ausleihst und nicht mehr weisst, wem du wie viel schuldest. 

Schreib private Schulden auf. Vereinbare klar, wann du zurückzahlst. Leihe selbst nur Geld, wenn du es dir leisten kannst, es im Notfall nicht zurückzubekommen. Geld kann Freundschaften belasten, wenn keine klare Abmachung besteht. 

Werbung und Social Media 

Werbung will, dass du kaufst. Influencer*innen, Rabattcodes, Aktionen und «nur noch heute» Angebote erzeugen Druck. Das heisst nicht, dass du nie etwas kaufen darfst. Es heisst: Mach eine Pause, bevor du bezahlst. 

Eine einfache Regel hilft: Warte 24 Stunden. Wenn du das Produkt danach immer noch brauchst und es in dein Budget passt, kannst du bewusster entscheiden. 

Woran merkst du, dass es kritisch wird? 

Warnsignale sind: 

  • Du öffnest Rechnungen oder Mahnungen nicht mehr.  
  • Du leihst dir regelmässig Geld.  
  • Du bezahlst eine Rechnung mit einer neuen Ratenzahlung.  
  • Dein Konto ist am Monatsende immer leer.  
  • Du weisst nicht genau, wem du wie viel schuldest.  
  • Du kaufst auf Rechnung, weil gerade kein Geld da ist.  
  • Du schämst dich und redest mit niemandem darüber.  

Wenn du mehrere Punkte wiedererkennst, warte nicht. Je früher du reagierst, desto einfacher lässt sich eine Lösung finden. 

Wenn du merkst, dass dein Geld regelmässig knapp wird, hilft dir ein einfacher Budgetplan. Im Beitrag Budget planen erfährst du, wie du Einnahmen, Fixkosten, Jahreskosten und Alltagsgeld übersichtlich aufteilst. 

Was machst du bei einer offenen Rechnung?

Bleib ruhig und handle schnell. 

  1. Öffne die Rechnung oder Mahnung sofort.  
  2. Prüfe, ob Betrag, Name, Datum und Leistung stimmen.  
  3. Schreib die Zahlungsfrist auf.  
  4. Bezahle, wenn du kannst.  
  5. Wenn du nicht zahlen kannst, melde dich beim Unternehmen.  
  6. Vereinbare nur Raten, die du wirklich zahlen kannst.  
  7. Hol dir Hilfe, wenn mehrere Rechnungen offen sind.  

Wichtig: Mahnungen verschwinden nicht, wenn du sie ignorierst. Meist kommen Gebühren dazu. Wenn Inkasso ins Spiel kommt, kann es noch teurer und belastender werden.

Welche Schulden solltest du zuerst zahlen? 

Wenn nicht alles gleichzeitig geht, brauchst du Prioritäten. Zuerst kommen Schulden, die deinen Alltag gefährden: 

  • Miete oder Wohnkosten  
  • Krankenkasse  
  • Strom und wichtige Grundkosten  
  • wichtige Versicherungen  
  • Bussen und Geldstrafen  
  • Kontoüberzug, wenn dadurch weitere Kosten entstehen  

Danach kommen weitere Rechnungen, Raten, Handy, Online-Shopping und private Schulden. Entscheide nicht nach Bauchgefühl. Schreib alles auf und hol dir Beratung, wenn du unsicher bist. 

Wo bekommst du Hilfe? 

Wenn du noch keinen Schuldenberg hast, aber dein Geld regelmässig knapp wird, ist die Budgetberatung der Caritas Liechtenstein passend. Dort bekommst du Unterstützung, um Einnahmen und Ausgaben zu ordnen, Sparpotenziale zu erkennen und finanzielle Engpässe früher zu vermeiden. 

Wenn bereits Schulden, Mahnungen, Inkasso oder viele offene Forderungen da sind, ist die Schuldenberatung der Caritas Liechtenstein die richtige Anlaufstelle. Die Beratung hilft dir, die Situation zu sortieren, Zahlungen zu priorisieren und realistische Lösungen zu finden. 

Fallbeispiel 

Mauro, 18, bestellt Schuhe auf Rechnung, kauft in einem Game Zusatzfunktionen und nimmt ein Handy mit Abo. Alles wirkt einzeln bezahlbar. Nach zwei Monaten hat er mehrere offene Beträge, zwei Mahnungen und keinen Überblick mehr. 

Er macht eine Liste: Wem schulde ich wie viel? Was ist dringend? Was kann warten? Dann kündigt er ein ungenutztes Abo, sperrt In-App-Käufe und ruft bei zwei Unternehmen an, um realistische Raten zu vereinbaren. Zusätzlich holt er sich Unterstützung bei der Budgetberatung, damit keine neuen Schulden dazukommen. 

Wie schützt du dich im Alltag? 

  • Öffne Rechnungen und Mahnungen sofort.  
  • Schreib offene Beträge auf.  
  • Prüfe Handyrechnung und Abos monatlich.  
  • Aktiviere Limiten für Karte, Handy und Online-Zahlungen.  
  • Sperre In-App-Käufe, wenn du schnell klickst.  
  • Rechne bei Ratenzahlung immer den Gesamtbetrag aus.  
  • Kauf nicht auf Rechnung, wenn du das Geld nicht sicher hast.  
  • Warte bei spontanen Käufen 24 Stunden.  
  • Leih dir nicht regelmässig Geld von Freund*innen.  
  • Hol dir Hilfe, bevor Inkasso oder weitere Mahnungen dazukommen.

Mirjam Schiffer

Mirjam Schiffer

Koordinatorin Jugendinfo, Projekte


Bei Fragen kannst du dich jederzeit bei unserer Mitarbeitenden melden.

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