Sexualität kann schön, aufregend und verbindend sein. Sie kann aber auch Fragen, Unsicherheit oder Druck auslösen. Wichtig ist: Es geht um deinen Körper, deine Gefühle und deine Grenzen. Du entscheidest, was sich für dich richtig anfühlt.
Was gehört alles zu Sexualität?
Sexualität ist nicht nur Geschlechtsverkehr. Sie kann mit Verliebtsein, Lust, Nähe, Körpergefühl, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Fantasien, Verhütung und Fortpflanzung zu tun haben.
Für manche Menschen ist Sex wichtig. Für andere weniger oder gar nicht. Manche wissen früh, was sie möchten. Andere brauchen länger, um sich selbst kennenzulernen. All das ist okay.
Vielleicht hast du Fragen zu deinem Körper, zum ersten Mal, zu Verhütung, Pornos, Schwangerschaft oder sexuell übertragbaren Infektionen. Vielleicht weisst du noch nicht, was du willst. Auch das ist normal.
Sexuelle Gesundheit bedeutet, dass du Sexualität möglichst positiv, respektvoll und sicher erleben kannst. Dazu gehören Wissen, Schutz, Selbstbestimmung und Unterstützung, wenn etwas nicht gut läuft.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Mal?
Den einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Nicht dein Alter, deine Beziehung, deine Freund:innen oder Social Media entscheiden, sondern du.
Frag dich vorher:
- Will ich das wirklich?
- Fühle ich mich sicher und wohl?
- Vertraue ich der anderen Person?
- Kann ich Nein sagen?
- Wird mein Nein respektiert?
- Können wir über Verhütung sprechen?
- Weiss ich, an wen ich mich bei Fragen wenden kann?
Du musst keinen Sex haben, weil angeblich «alle anderen» schon Sex hatten. Du musst auch keinen Sex haben, nur weil du jemanden liebst oder ihr schon lange zusammen seid.
Bist du unsicher, ist Warten eine gute Entscheidung. Warten bedeutet nicht, dass du unreif bist. Es zeigt, dass du auf dich achtest.
Wie könnt ihr über Sex sprechen?
Über Sex zu sprechen kann ungewohnt oder peinlich sein. Trotzdem ist es wichtig. Niemand kann Gedanken lesen.
Du kannst zum Beispiel sagen:
- «Ich möchte langsam machen.»
- «Ich weiss noch nicht, ob ich bereit bin.»
- «Ich will vorher über Verhütung sprechen.»
- «Ich möchte nur mit Kondom Sex.»
- «Ich möchte heute nicht weitergehen.»
- «Bitte hör auf.»
- «Ich brauche eine Pause.»
Gute Sexualität hat viel mit Kommunikation zu tun. Eine Person, die dich respektiert, nimmt deine Wünsche, Grenzen und Unsicherheiten ernst.
Was bedeutet Zustimmung?
Zustimmung bedeutet, dass alle beteiligten Personen eine sexuelle Handlung freiwillig möchten. Ohne Druck, Angst, Drohung oder Einschüchterung.
Wichtig ist:
- Schweigen ist kein Ja.
- Ein Kuss ist kein Ja zu Sex.
- Ein Ja gestern ist kein Ja heute.
- Ein Ja zu einer Sache ist kein Ja zu allem.
- Alle Beteiligten dürfen jederzeit stoppen.
- Eine stark betrunkene, bewusstlose oder nicht entscheidungsfähige Person kann nicht zustimmen.
Du kannst nachfragen:
- «Ist das okay für dich?»
- «Möchtest du weitermachen?»
- «Soll ich aufhören?»
- «Was möchtest du nicht?»
- «Brauchst du eine Pause?»
In Liechtenstein schützt das Strafgesetzbuch die sexuelle Selbstbestimmung. Gewalt, Drohung, Druck und das Ausnützen einer Abhängigkeit oder Notlage sind nicht okay und können strafbar sein.
Ab welchem Alter ist Sex erlaubt?
Das sexuelle Schutzalter liegt in Liechtenstein grundsätzlich bei 14 Jahren. Für jüngere Jugendliche gibt es eine eng begrenzte Ausnahme, wenn beide Personen altersmässig nahe beieinanderliegen und weitere Voraussetzungen erfüllt sind.
Alter allein reicht aber nicht. Sex muss immer freiwillig sein. Niemand darf dich überreden, bedrohen, unter Druck setzen oder eine Abhängigkeit ausnutzen.
Bist du bei einer Situation unsicher, hol dir vertrauliche Beratung. Verlass dich bei rechtlichen Fragen nicht auf Gerüchte oder Social Media.
Wie schützt du dich mit Verhütung?
Verhütung ist gemeinsame Verantwortung. Es ist nicht fair, wenn nur eine Person daran denken, dafür bezahlen oder mögliche Folgen tragen muss.
Es gibt unterschiedliche Verhütungsmethoden, zum Beispiel:
- Kondome und Femidome
- die Pille
- Verhütungsring oder Hormonpflaster
- Hormonimplantat
- Spirale
- hormonfreie Methoden
Nicht jede Methode passt zu jeder Person. Lass dich zu medizinischen Verhütungsmethoden ärztlich beraten.
Wichtig zu wissen
Kondome und Femidome können vor einer Schwangerschaft schützen und das Risiko für sexuell übertragbare Infektionen senken.
Hormonelle Verhütungsmethoden können vor einer Schwangerschaft schützen, aber nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen.
Du darfst klar sagen:
«Ohne Schutz möchte ich keinen Sex.»
Das ist kein Misstrauen. Das ist Selbstschutz.
Was ist, wenn bei der Verhütung etwas schiefgeht?
Eine Verhütungspanne kann passieren, zum Beispiel wenn:
- ein Kondom reisst oder abrutscht
- ihr nicht verhütet habt
- eine Pille vergessen wurde
- du kurz nach der Pilleneinnahme erbrochen hast oder starken Durchfall hattest
- ein Verhütungspflaster oder Verhütungsring nicht richtig angewendet wurde
Bleib ruhig und handle möglichst schnell. Eine Panne bedeutet nicht automatisch, dass du schwanger bist. Lass aber rasch abklären, ob eine Notfallverhütung sinnvoll ist.
Was ist die Pille danach?
Die Pille danach ist eine Notfallverhütung. Sie kann den Eisprung verhindern oder verschieben. Eine bereits bestehende Schwangerschaft beendet sie nicht.
Je früher sie nach einer Verhütungspanne eingenommen wird, desto besser kann sie wirken. Je nach Präparat kann sie bis zu 72 oder 120 Stunden nach der Panne infrage kommen.
In Liechtenstein erhältst du die Pille danach ohne Rezept in der Apotheke. Vor der Abgabe findet ein vertrauliches Beratungsgespräch statt.
Wichtig:
- Geh möglichst schnell in eine Apotheke.
- Warte nicht aus Scham.
- Lass dich auch beraten, wenn du unsicher bist.
- Die Pille danach schützt nicht vor STI.
- Für den Rest des Zyklus musst du zusätzlich verhüten.
- Sie ist nicht als regelmässige Verhütungsmethode gedacht.
Wie schützt du dich vor STI?
STI sind sexuell übertragbare Infektionen. Dazu gehören zum Beispiel Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis, HPV, Herpes, Hepatitis und HIV.
Manche STI verursachen Beschwerden. Andere bleiben lange unbemerkt.
Mögliche Anzeichen sind:
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Jucken im Intimbereich
- ungewöhnlicher Ausfluss
- Bläschen, Wunden oder Ausschlag
- Schmerzen beim Sex
- Unterleibsschmerzen
Auch ohne Beschwerden kann eine Infektion vorhanden sein.
Das kannst du tun:
- Verwende Kondome oder Femidome.
- Lass dich testen, wenn du ein Risiko hattest oder unsicher bist.
- Geh bei Beschwerden zu Ärzt:innen.
- Informiere Sexualpartner:innen, wenn eine Infektion festgestellt wurde.
- Führe eine verschriebene Behandlung vollständig durch.
Safer Sex bedeutet, dass du dich und andere ernst nimmst.
Was ist, wenn du schwanger sein könntest?
Wenn du glaubst, schwanger zu sein, kannst du einen Schwangerschaftstest machen. Du bekommst ihn unter anderem in Apotheken und Drogerien.
Ist der Test positiv oder bist du weiterhin unsicher, vereinbare einen Termin bei Ärzt:innen oder einer Beratungsstelle.
Vielleicht bist du erleichtert. Vielleicht hast du Angst oder fühlst dich überfordert. Jede Reaktion ist möglich. Du musst die Situation nicht allein bewältigen.
Eine Beratung hilft dir dabei:
- medizinische Fragen zu klären
- deine Möglichkeiten kennenzulernen
- die nächsten Schritte zu planen
- über Ängste und Druck zu sprechen
Bei starken Schmerzen, starken Blutungen, Kreislaufproblemen oder Bewusstlosigkeit brauchst du sofort medizinische Hilfe.
Was ist bei Pornos wichtig?
Pornos sind keine Anleitung für echten Sex. Sie sind inszeniert, gespielt und geschnitten. Oft zeigen sie unrealistische Körper, Rollen, Reaktionen und Erwartungen.
Echter Sex kann ganz anders aussehen. Menschen sprechen miteinander, lachen, sind nervös, brauchen Pausen oder ändern ihre Meinung. Körper reagieren nicht immer so, wie man es erwartet. Das ist normal.
Du musst nicht wie Personen in Pornos aussehen. Du musst nichts nachmachen, nur weil du es gesehen hast. Niemand darf von dir verlangen, etwas zu tun, das du nicht möchtest.
Auch rechtlich gibt es Grenzen. Pornografische Inhalte dürfen Personen unter 16 Jahren nicht gezeigt oder geschickt werden. Besonders strenge Regeln gelten bei sexuellen Darstellungen von Minderjährigen.
Bekommst du ungewollt problematische Inhalte:
- leite sie nicht weiter
- teile sie nicht in Gruppen
- melde den Inhalt auf der Plattform
- blockiere die Person
- hol dir Unterstützung
Was gilt bei Nacktbildern und Sexting?
Sexting bedeutet, dass intime Fotos oder Videos über das Handy oder Internet ausgetauscht werden.
Du musst nie ein Nacktbild schicken. Auch nicht in einer Beziehung und auch nicht, wenn dir die andere Person bereits eines geschickt hat.
Frag dich vor dem Absenden:
Will ich das wirklich?
Fühle ich mich gedrängt?
Vertraue ich der Person auch nach einem Streit oder einer Trennung?
Was passiert, wenn das Bild weitergeleitet wird?
Erkennt man mein Gesicht, mein Zimmer, Tattoos oder andere Merkmale?
Ist mein Gerät geschützt?
Auch wenn ein Bild freiwillig verschickt wurde, darf es nicht ohne Zustimmung weitergeleitet werden.
Bei intimen Aufnahmen von minderjährigen Personen gelten besondere gesetzliche Regeln. Herstellung, Besitz und Weitergabe können strafbar sein. Weiterleiten ist besonders heikel.
Was kannst du tun, wenn ein intimes Bild weitergeleitet wurde?
Wurde ein intimes Bild ohne deine Zustimmung weitergeleitet, bist nicht du schuld. Verantwortlich ist die Person, die deine Grenze verletzt hat.
Das kannst du tun:
- Sichere Nachrichten, Profile, Telefonnummern, Links und Zeitpunkte.
- Leite das Bild nicht selbst weiter.
- Melde den Inhalt auf der Plattform.
- Bitte beteiligte Personen, das Bild zu löschen.
- Blockiere beteiligte Accounts.
- Sprich mit einer erwachsenen Vertrauensperson.
- Hol dir Unterstützung bei 147, der Opferhilfestelle oder der Polizei.
Wirst du erpresst, zahle kein Geld und verschicke keine weiteren Bilder.
Was kannst du tun, wenn du Druck erlebst?
Druck kann unterschiedlich aussehen:
- «Wenn du mich liebst, machst du das.»
- «Alle anderen machen das auch.»
- «Du hast doch vorher Ja gesagt.»
- «Ich habe dir auch ein Bild geschickt.»
- «Ohne Kondom ist es viel besser.»
- «Wenn du Nein sagst, trenne ich mich.»
Druck ist kein Zeichen von Liebe. Du darfst Nein sagen, stoppen, gehen, eine Person blockieren und Hilfe holen.
Sätze, die helfen können:
- «Nein, ich möchte das nicht.»
- «Ohne Kondom möchte ich keinen Sex.»
- «Ich brauche Zeit.»
- «Ich möchte jetzt aufhören.»
- «Ich schicke keine Nacktbilder.»
- «Wenn du mich weiter unter Druck setzt, beende ich das Gespräch.»
Respektiert jemand dein Nein nicht, ist nicht dein Nein das Problem, sondern das Verhalten der anderen Person.
Wo bekommst du Hilfe?
147, Beratung für Kinder und Jugendliche
Bei 147 kannst du vertraulich und kostenlos über Sexualität, Beziehungen, Druck, Angst, Schwangerschaft, Gewalt oder Nacktbilder sprechen.
schwanger.li
Bei Schwangerschaft, Schwangerschaftsangst oder einer ungeplanten Schwangerschaft erhältst du kostenlose und auf Wunsch anonyme Beratung.
Opferhilfestelle Liechtenstein
Die Opferhilfestelle unterstützt dich nach sexueller Gewalt, Drohungen, Erpressung, Stalking oder der Weitergabe intimer Bilder. Du kannst dich auch beraten lassen, wenn du noch nicht weisst, ob du Anzeige machen möchtest.
Im Notfall
- 117: Landespolizei
- 144: Rettung
- 112: Europäischer Notruf
Häufige Fragen
Nein. Eine Beziehung verpflichtet dich nicht zu Sex. Du darfst jederzeit Nein sagen oder stoppen.
Geh möglichst schnell in eine Apotheke und lass dich zur Pille danach beraten. Bestand ein Risiko für eine sexuell übertragbare Infektion, kann auch ein STI-Test sinnvoll sein.
Nein. Hormonelle Verhütungsmethoden schützen nicht vor STI. Kondome und Femidome können das Ansteckungsrisiko senken.
Nein. Pornos sind inszeniert und zeigen oft unrealistische Körper, Rollen und Erwartungen. Echter Sex braucht Kommunikation, Zustimmung, Schutz und Respekt.
Nein. Du musst nie intime Bilder verschicken. Wer dich respektiert, akzeptiert dein Nein.
Gesundheitsfachpersonen haben grundsätzlich eine Verschwiegenheitspflicht. Frag zu Beginn direkt, welche Informationen vertraulich bleiben und in welchen Situationen sie etwas weitergeben müssen.