fbpx Zum Inhalt springen

jubel-Forum 21


Erwachsene hörten zu, was die Jugendlichen im Land bewegt. Das Online-Forum der Jugendbeteiligung Liechtenstein (jubel) am 19. Mai 2021 war ein voller Erfolg.

Online-Austausch auf Augenhöhe

Im Vorjahr abgesagt, fand am Mittwoch das jubel-Forum erstmals online statt. Der jährliche Höhepunkt der Jugendbeteiligung Liechtenstein (jubel) sind Gespräche auf Augenhöhe zwischen Klassensprecher*innen mit Erwachsenen aus Politik, Wirtschaft sowie der Jugend- und Sozialarbeit.

Gerade im Angesicht von Klimakrise, Pandemie und weiteren intergenerationalen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel darf Demokratie keine Frage des Alters sein. Das wurde auch bei dem Online-Austausch spürbar, an dem 85 Personen teilnahmen. Teilgenommen haben auch 50 Klassensprecher*innen der Weiterführenden Schulen.

Das jubel-Forum wurde begleitet durch den Graphic Recording-Artist Dennis de Jonge, woraus diese bunte Zusammenfassung hervorging.

„In Coronazeiten erachten wir es als besonders wichtig, jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen zuzuhören und sie zu beteiligen. Für die Durchführung in dieser Grössenordnung erarbeiteten wir uns in den vergangenen Monaten das digitale Know-how und schafften auch die notwendige Infrastruktur“, erzählt Johannes Rinderer vom aha – Tipps & Infos für junge Leute. Er koordinierte als jubel-Programmleiter den Online-Anlass, der „für alle Beteiligten doppelt so intensiv wie ein reales Treffen“ war. Deshalb wurde auch bei der Durchführung der Veranstaltung viel Wert auf humorvolle Kennenlernspiele und Bewegungspausen gelegt.

In seinen Grussworten erklärte Regierungsrat Manuel Frick, dass er die Pandemie-Frustration der Jugendlichen gut nachvollziehen kann. «Kinder und Jugendliche sind besonders von den Massnahmen betroffen. Verschiebt euer Leben aber nicht auf einen erhofften Endtermin. Ihr könnt gestärkt aus der Krise starten», machte er Mut und signalisierte, dass «wir auf einem guten Weg sind, möglichst viele Freiheiten zurückzuerlangen».

Die Themenpalette war sehr vielseitig und umfasste Themen wie Corona, Treffpunkte für junge Leute, Probleme an den Schulen und Vorurteile in der Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Beteiligung an Projekten und Wählen ab 16 Jahren. Insgesamt gab es 24 Diskussionsräume, die auf drei Runden verteilt waren. Im Vorfeld haben die Klassensprecher*innen die Themen selbst vorgeschlagen und ausgewählt. Die Jugendlichen lernten viele unterschiedliche Akteure kennen. Das ermöglichte eine Vernetzung für zukünftige Zusammenarbeit bei Projekten.
Für die Erwachsenen stellte das Forum eine Chance dar, direkt von Jugendlichen zu hören, was sie bewegt.

„Es ist wichtig, den Jugendlichen Vertrauen entgegenzubringen. Beide Seiten müssen auch die Bereitschaft zur Beteiligung besitzen. Kinder und Jugendliche erwarten nicht, dass ihre Entscheidungen eins zu eins umgesetzt werden. Sehr wohl erwarten sie aber, dass der Entscheidungsprozess nachvollziehbar und transparent ist“, so Johannes Rinderer. Aus diesem Grund werden die besprochenen Themen und Wünsche auf dieser Website zusammengefasst und bei den Entscheidungsträgern auch nachgefragt. Die Offene Jugendarbeit und das aha – Tipps & Infos für junge Leute bieten vielseitige Angebote der Beteiligung.

Die acht Jubel-Themen

Rund ein Dutzend Jugendliche und Erwachsene diskutierten eine halbe Stunde zu acht aktuellen Themen, die von den Klassensprecher*innen ausgewählt wurden. Es entstanden intensive Gespräche und unterschiedliche Meinungen wurden ausgetauscht. Zu jedem Thema werden im Folgenden einzelne der vielen Standpunkte und Lösungsvorschläge kurz zusammengefasst:

Leben in Corona-Zeiten – wie geht es dir damit? Homeschooling war für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung und Unterricht soll – hoffentlich bald ohne Maske – in der Schule stattfinden. Sport und Vereinsaktivitäten fehlen vielen Jugendlichen.     

Konsum, Risiko & Sucht: Während der Pandemie stieg der Medienkonsum auch am Handy stark. Jugendliche spüren oftmals erst, wenn sie kein Handy oder Computer haben, dass sie von diesen Medien doch relativ abhängig sind. Der Drogenkonsum in Schulen ist ein Thema, das ohne fundierte Daten von Jugendlichen diskutiert wird.     

Umwelt- & Klimaschutz: Grundsätzlich ist Liechtenstein bis heute ein sauberes Land mit guter Infrastruktur auch im Bereich Umweltschutz. Aber es ist vielen Menschen zu wenig bewusst, wie viel Abfall sie produzieren. Es sollte darauf geachtet werden, dass Produkte nicht in Plastik eingepackt sein müssen. Der direkte Kauf von Landwirten ist eine umweltschonende Massnahme.     

Schule – was würdest du verändern? Elektronische Medien werden im Unterricht sehr geschätzt. Leider werden diese je nach Lehrperson und Schule unterschiedlich gut eingesetzt. Das Handy könnte auch als gutes didaktisches Werkzeug verwendet werden. Die Jugendlichen wünschen, dass vermehrt ihre Begabungen speziell gefördert werden und nicht alle denselben Lehrplan behandeln. Auf sogenannte Einträge bei einem Fehlverhalten sollte verzichtet werden. Diese Strafe ist kontraproduktiv. Schutzmasken sind mühsam und man hofft, dass diese Massnahme an Schulen in kurzer Zeit wieder abgeschafft wird. 

Wählen ab 16 Jahren: Jugendliche beschreiben, dass sie sehr an Politik interessiert sind und viele würden eine Senkung des Wahlalters befürworten. Denn Jugendthemen wären besser vertreten. Auch ein „frischer Wind“ würde der Politik guttun. Es gibt aber auch Jugendliche, die das Gefühl haben, zu wenig reif zu sein oder zu wenig Interesse und Kenntnisse über politische Themen zu haben. 

Treffpunkte für junge Leute: Ein Problem ist, dass Jugendtreffs teilweise bei Eltern einen schlechten Ruf haben. Eltern sollten in die Jugendtreffs eingeladen werden, um sich ein objektives Bild zu machen. Es stellt sich die Frage, ob jede Gemeinde komplette Infrastruktur mit Pumptrack, Skaterpark etc. benötigt. Vielleicht wäre es sinnvoller, unterschiedliche Angebote zwischen den Dörfern aufzuteilen, die dafür grösser und qualitativ besser sind.  

Wie und wo können sich Jugendliche beteiligen? Eigentlich sollten sich Klassensprecher*innen für Jugendanliegen an Schulen einsetzen. Leider geschieht dies oftmals zu wenig und das Amt des Klassensprechers müsste aufgewertet werden. 

Vorurteile, Diskriminierung, Freiheiten in der Gesellschaft: Viele Jugendliche haben schon in irgendeiner Form Diskriminierung erlebt. Speziell wurde Diskriminierung von Menschen der LGTBI*-Community, Ausländer*innen und Burkaträgerinnen erwähnt. Es ist wichtig, in solchen Situationen Selbstcourage zu zeigen und sich klar gegen Vorurteile einzusetzen.